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Das Leubnitzer Scheechehaus

Das Leubnitzer Scheechehaus von Siegfried Richard Fischer (gekürzte Fassung) Dass es in Altleubnitz  ein Haus gibt, welches das Scheechehaus genannt wurde, weil es dort spukte , weiß die Leubnitzer Jugend kaum mehr. Doch die Alten haben wohl noch eine Erinnerung daran, wissen aber nicht, was es dabei für eine Bewandtnis habe. Das Haus steht gegenüber dem Fleischerladen in der Nachbarschaft der Schmiede und der alten Pfarre, es soll der Rest eines einst stattlichen Bauernhofes sein, dessen Besitzer keiner mehr lebt. Vor dem Hofe wogte ein großer Teich. Auf diesem Hofe lebte einmal ein alter Bauer, der ein harter und gewalttätiger Mann war und es sich in den Kopf gesetzt hatte, keines seiner Kinder dürfe heiraten. Diese wagten es nicht gegen ihren Vater aufzulehnen, denn sie fürchteten ihn sehr. Die beiden Brüder Willhelm und August waren von kleinauf feindlich gewesen. Ebenso feindlich lebten die Schwestern Mathilde und Sabine. Sie verfeindeten sich tödlich als sie mannbar wurden, eines Knechtes wegen. Er hatte es auf die Sabine abgesehen. Das war ein rundliches schmuckes braunes Dirnchen verliebter Art mit roten Backen, feurigen Augen und frischen Lippen. Gar zu gerne hätte der schlanke Bruno sie erobert. Als der nun merkte, dass er nicht einen Schritt weiter käme, kündigte er beim Bauern und zog in die Fremde. Sabine grämte sich um ihn und fing an abzumagern. Die täglichen Vorwürfe, die sie Mathilde machte, veranlassten böse Auftritte mit der so verhassten und nun erst recht verbitterten Schwester. Bei solch einem leidenschaftlichen Streit fiel Sabine über Mathilde her und begann sie zu würgen. Die aber, stärker als ihre Angreiferin, drängte sie an den nahen Teich und stieß sie ins Wasser. Zwar konnte sich Sabine vor dem Ertrinken retten, doch bekam sie einen Verschlag auf die Lunge und siechte noch einige Jahre hin, bis sie einer Lungenentzündung erlag. Um dieselbe Zeit, wo sich dies ereignete, lernte der älteste Sohn Wilhelm auf einem Feste ein junges Mädchen kennen. Sie hieß Laura und stammte aus einer großen Gärtnerei der Nachbarschaft. Die beiden jungen Leute fanden gefallen aneinander und wurden sich schnell einig. Als Wilhelm aber vor seinen Vater trat und ihm seinen Wunsch, die Laura zu heiraten, mitteilte, da wurde der alte Bauer überaus zornig und fiel den Sohn mit so harten Worten an, dass der Sohn, der an und für sich schon etwas schüchtern war, es nicht wieder wagte davon zu reden, und seinem Mädchen traurig und verzagt die Eröffnung machte, es müsse zwischen ihnen aus sein. Das Mädchen war über diese unerwartete Mitteilung so fassungslos, dass sie ohne ein Wort der Erwiderung, schnell davon eilte. Unterwegs sammelte sie sich und gab der in ihr aufsteigenden Hoffnung Raum, dass dies unmöglich das letzte Wort zwischen ihr und Wilhelm sein und bleiben könne. Wusste er noch gar nicht, dass sie von ihm ein Liebespfand unter ihrem Herzen trage. Doch zu solcher Aussprache zwischen den Liebesleuten kam es nicht. Der Vater Wilhelms hatte durch August, der den Bruder heimlich nachgeschlichen war, erfahren, dass Wilhelm trotz des
väterlichen Verbotes eine Zusammenkunft mit seiner Liebsten gehabt habe. Der Alte vertrat Wilhelm den Weg und zischte ihm voller Grimm die Worte zu: „Treff ich euch verfluchte Liebesleute nochmals beisammen, so erschlag ich euch auf der Stelle alle beide“. August sorgte dafür, dass Laura diese fürchterliche Drohung schnellstens erfuhr. Nun schwand dem armen Mädchen jegliche Hoffnung. Am anderen Morgen fand man sie, die man die halbe Nacht vergeblich gesucht hatte, tot im Teich zu Leubnitz, nicht weit  von Wilhelms Vaterhause. Wilhelm kam gerade dazu, als man die Leiche an das Ufer legte. Da ging er auf den Futterboden, der im Dachstuhl des jetzt noch stehenden Hauses war und erhängte sich. Nicht lange darauf kam Mathilde, welche die Kühe besorgte, eines Abends nicht aus dem Stall zurück. Als die Mägde zur Ruhe gegangen waren, auch sonst alles still im Hofe war, meinte der Vater, man müsse doch mal nach Mathilde sehen. Indem Vater und Sohn noch davon sprachen, erhob sich ein lautes Brüllen im Kuhstall, und als sie mit einer Laterne aus der Haustüre treten wollten, gewahrten sie, wie der große Bulle, ein vierjähriges wildes Tier, schwarz wie der leibhaftige Satan anzuschauen, in mächtigen  Sätzen aus der offenen Stalltüre herausstürmte, gerade auf sie zu. Schnell zogen sie sich zurück und schlossen die Haustüre. Erschreckt lauschten sie dem Brüllen und Schnaufen des wilden Stieres. Immer wieder stürzte er sich mit gewaltiger Wucht gegen die Haustüre. Keiner wagt sich hinaus. Am nächsten Morgen fanden sie den Bullen schlafend in seinem Stand. Mathilde aber lag tot auf der Schwelle, die Kuhstall zum Schweinestall trennte. Der Bulle hatte sie offenbar, als sie aus dem Schweinestall in den Kuhstall getreten war, nachdem er sich von seiner Kette befreit hatte, gegen die Wand gedrückt und getötet. So vergingen 20 Jahre. Da ging einst ein schweres Gewitter,  das über Goppeln heranzog und nicht über die Elbe konnte in Leubnitz nieder und äscherte das Bauerngehöft ein. Nur das eine Stallgebäude blieb stehen, eben das Scheechehaus. Der Alte war gerade auf seinen Wiesen zum Heufahren, der Sohn bei ihm. „Die Fuhre muss noch hinein!“ entgegnete der Bauer als sein Sohn zur Heimfahrt mahnte. In dem Augenblick zuckte ein greller Blitz nieder und verbrannte den fast fertig geladenen Heuwagen mitsamt seiner Ladung. Zur selben Zeit pfiff ein heftiger Windstoss daher und begrub den zähneknirschenden Alten unter dem brennenden Heuwagen. Der Sohn war wie gelähmt. Die Scheune und der Pferdestall verbrannten, auch auf das Wohnhaus griff das Feuer über, und von dem schönen Besitz blieb nur das Scheechehaus übrig. Dort richtete man dem Sohne ein Lager ein. Der redete irre, ließ sich wie ein Kind betreuen, legte sich und starb nach wenigen Tagen ohne seinen Verstand wiedererlangt zu haben. „Auf dem Haus liegt der Fluch des Himmels“, so ging die Rede. Davon bleibt man besser fern. Und wirklich machte jeder einen Bogen um das Haus, wie man noch jetzt an der Straßenführung deutlich sehen kann.